Der Süden

  • Ziel: USA – San Antonio, Roswell, Santa Fe, Albuquerque, Route 66, Flagstaff, Grand Canyon, Zion National Park, Las Vegas, Los Angeles, Highway 1, Hearst Castle, San Francisco, Redwood Trees, Avenue of the Giants, Portland, Seattle
  • Reisezeit: 01.07-29.07.2012
  • zurückgelegte Strecke: ~6.500 KM
  • Moppeds: Montero 250ccm (La Naranja und La Negra)



Eintrag aus dem Tagebuch:

01.07.2012 – Kulturschock

… Der Unterschied zu Mexiko ist enorm. Es ist plötzlich alles so unheimlich groß und es gibt viel davon. Da uns am Horizont ein Unwetter bedroht, suchen wir Schutz bei Wendy’s, einem Fast Food Restaurant. Hier dürfen wir auch sogleich einen der weltberühmten, klassischen Rednecks in freier Wildbahn erleben. Der Redneck an sich zeichnet sich dadurch aus, dass er alles noch mehr übertreibt als der Durchschnittsamerikaner und irgendwann in seinem Leben den Kopf schon einmal in die Mikrowelle gesteckt hat. Unser Redneck kommt mit seinem extrem höhergelegten V8 – Pickup und großen Alufelgen über die regennasse Kreuzung geschliddert, dreht sich und fährt dann, um den Fehler auszugleichen, mit Vollgas und durchdrehenden Rädern auf den Fastfoodparkplatz. Er trägt ausgelatschte rosa Cowboystiefel, dazu eine kurze Hose und ein gammeliges T-Shirt, welches seinen speckigen Körper bedeckt. Die fettigen Haare werden von einem Stirngummi in Position gehalten und das eine oder andere schlecht gemachte Tatoo, welches die Heimatverbundenheit ausdrückt, ist Teil des Erscheinungsbildes. Die Gefolgschaft sieht ähnlich aus.

08.07.2012 – Grand Canyon

… Eine rauhe, nicht asphaltierter Passstraße dient uns als Abkürzung. Trotzdem ist der Weg noch weit und die Sonne steht schon tief. Wir rasen. In einem kleinen Dorf im Nirgendwo, passiere ich souverän ein Stoppschild, Johannes tut es mir gleich. Nur wenige Sekunden später ist auch schon der Sheriff mit Blaulicht hinter uns. Mir wird sofort bewusst, dass der Typ ernstzunehmender ist, als alles, was wir bisher südlich von hier mit der Polizei erlebt haben. Er macht uns auf unsere Missachtung der Straßenverkehrsordnung aufmerksam, sieht dann aber schließlich unsere bolivianischen Kennzeichen und nachdem wir unsere Geschichte kundgetan haben, findet er uns cool, wünscht uns alles Gute und lässt uns mit einer Verwarnung ziehen. So gefällt mir das.

Der Grand Canyon Nationalpark kostet für Autos 25 Dollar Eintritt, für Motorräder 12 Dollar. Widerwillig bezahlen wir und stehen dann nur wenige Minuten später am Rand des Canyons und schauen der Sonne zu, wie sie hinter der Schlucht verschwindet und die Steine in ein schönes Abendlicht taucht. Natürlich sind wir nicht alleine. Touristen aus der ganzen Welt teilen mit uns den Moment, vorwiegend Deutsche! Einen Schlafplatz finden wir bei Nacht an einem abgelegeneren Aussichtspunkt. Es ist niemand mehr da und nach etwas Kletteraufwand, stehen wir auf unserem eigenen Felsbrocken – vor uns die große Schlucht, über uns die Sterne. Die schiere Größe des Canyons, von dem nur noch die Umrisse erkennbar sind, sorgt dafür, dass ich mich unglaublich klein und unwichtig fühle. Dies ist wohl einer der besten Schlafplätze aller Zeiten. Da wird sogar die abendliche Thunfischdose zu einem echten Gourmetessen. Im Schlafsack liegend wird mir mal wieder bewusst wie wenig man doch eigentlich braucht, um so viel zu erleben. Dankbar schlafe ich auf meiner 5 Sterne Therm-A-Rest Matte ein.

Das Erwachen bei Sonnenaufgang über dem Canyon ist nicht weniger spektakulär. Nach und nach flutet die Sonne den Canyon und lässt ihn in impossanter Größe erscheinen. Die schiere Größe dieses Naturwunders macht die Faszination aus. Und ich verbringe eine Weile damit einfach nur dazusitzen.

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